Das Konzept Pays

Das Konzept Pays

Der Begriff "Pays" (in etwa: Landschaftsregion) wurde von Titel II des Rahmengesetzes für Raumplanung und Entwicklung vom 4. Februar 1995 geprägt, auch Gesetz Pasqua oder LOADT (Loi d'Orientation pour l'Aménagement et le Développement du Territoire) genannt. Es wird von Artikel 25 des Gesetzes vom 25. Juni 1999 ergänzt, dem Rahmengesetz für nachhaltige Raumplanung (Loi d'Orientation de l'Aménagement Durable du Territoire), das auch Gesetz Voynet genannt wird (Durchführungserlass Nr. 2000-909 vom 19. September 2000, Veröffentlichung im Amtsblatt am 20. September 2000).

Definition
Ein in Frankreich als "Pays" bezeichnetes Gebiet besteht aus Gemeinden oder Gemeindenzusammenschlüssen. Es bildet ein von den lokalen Akteuren ausgewähltes Projektgebiet, das eine "geographische, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Kohäsion" aufweist. Für dieses Gebiet wird eine Entwicklungsstrategie festgelegt. Im Jahre 1999 wurde das Ziel der nachhaltigen Entwicklung aufgenommen.
Das Projekt "Pays" zielt auf die Ausdehnung von Kompetenzen und Kooperationen auf homogene Entwicklungsgebiete und Bevölkerungsgruppen ab, die größer als die zahlreichen interkommunalen Zusammenschlüsse (städtische Gemeinschaften, Gemeinschaften im Verdichtungsgebiet, Gemeindegemeinschaft) sind. Letztere werden häufig als zu klein angesehen (fast 30% umfassen weniger als 10 000 Einwohner oder schließen weniger als 10 Gemeinden zusammen).

Ein "Pays" ist ein Raum der Konzertation, der Mobilisierung der Mittel und der Information. Es handelt sich weder um einen Verwaltungsbezirk noch um eine neue Gebietskörperschaft. Für diesen Raum wird ein gemeinsames Projekt erarbeitet, wozu sich verschiedene Strukturen zusammenschließen, z.B.:

  • Gebietskörperschaften
  • Einrichtungen der interkommunalen Zusammenarbeit
  • Berufsorganisationen
  • Unternehmen
  • Verbände
  • Bevölkerung

 

Gründung
Die Einrichtung von "Pays" unterliegt der französischen Raumordnungspolitik.
Die Gründung eines "Pays" erfolgt in zwei Phasen:

  • auf Initiative von Gemeinden oder Gemeindenzusammenschlüssen wird ein Projektgebiet vorgeschlagen
  • der Präfekt der Region legt das Projektgebiet des zukünftigen "Pays" fest.

 

Ziel
Es handelt sich nicht um eine neue Verwaltungsebene, sondern um ein Projektgebiet, das die lokalen Akteure so weit wie möglich zusammenbringt. Das "Pays" arbeitet einen strategischen Plan (Charte) aus, indem seine Entwicklungsstrategie festgelegt ist, richtet einen Entwicklungsrat (Conseil de développement) ein und schließt mit dem Staat und den Regionen einen Vertrag ab.

  • In dem strategischen Plan (Charte de pays) werden die verschiedenen Vorsätze und Ziele sowie die Entwicklungsstrategie des Projektgebietes festgelegt. Darin werden die grundlegenden Leitziele für einen Zeitraum von zehn Jahren beschrieben. Diese Leitziele werden sodann in Aktionsprogramme und anschließend in Verträge mit institutionellen Partnern wie Staat, Region oder Departement konkretisiert. Mit diesen Verträgen hängen Zuschüsse zusammen, mit deren Hilfe diese Maßnahmen umgesetzt werden können.
  • Der Entwicklungsrat ist eine föderative Organisation von Ratsmitgliedern und Akteuren aus Wirtschaft, Sozialwesen, Kultur oder Vereinen, in der über die zukünftige Entwicklungspolitik des Projektgebietes nachgedacht wird (er trifft jedoch keinerlei offizielle Entscheidung). Er gibt Stellungnahmen ab, unterbreitet Vorschläge und begleitet die Projekte. Der Entwicklungsrat betrifft ebenfalls die Gemeinschaften in Verdichtungsgebieten.
  • Nach Klarstellung der Vorsätze und Ziele kann zwischen dem "Pays", der Agglomeration, dem Departement, der Region oder auch dem Staat ein Vertrag des Projektgebietes (Contrat de Pays) geschlossen werden.

 

Die "Pays" waren zunächst als Experiment ausgelegt, wurden in der Folge von den Präfekturen festgelegt und können seit dem Gesetz SRU (Solidarität und Stadterneuerung) (Solidarité et Renouvellement Urbain) vom Dezember 2000 vom Staat anerkannt werden. Die bereits bestehenden "Pays" konnten bis zum 7. Mai 2006 einen Vertrag mit dem Staat schließen.

Die Namen, die den "Pays" von dem Gesetz Voynet gegeben wurden, können täuschen, wenn man glaubt, dass sie die Gemeinden der ehemaligen historischen und kulturellen Provinzen zusammenfassen. Wenn dies auch für die Mehrzahl der Gemeinden zutrifft, so berücksichtigen weder der Gebietsverlauf noch häufig die Bezeichnung dieser "Pays" die historischen Grenzen. Es handelt sich vielmehr um einen Gebietsverlauf, der den Grenzen der Kantone folgt.

Am 1. Januar 2008 hatte Frankreich 345 "anerkannte Pays", die insgesamt 27.485 Gemeinden und 25.720.000 Einwohner umfassten. Zum gleichen Zeitpunkt waren 26 "Pays" (für 1.848 Gemeinden und 1.716.000 Einwohner) in Planung.

 

 

Weitere Informationen:
  • die Website der Délégation interministérielle à l'aménagement et à la compétitivité des territoires (DIACT, ehemals DATAR)
  • das Observatoire des territoires (Observatorium der Territorien) (Website, auf der insbesondere die verschiedenen Gebietsbegrenzungen angezeigt werden)
  • Gesetz Nr. 99-533, Rahmengesetz für Raumplanung und nachhaltige Entwicklung (LOADDT) vom 25. Juni 1999, als Änderung des Gesetzes Nr. 95-115 vom 4. Februar 1995.
  • Erlass Nr. 2000-909 vom 19. September 2000 über die "Pays"